Kranich im neuen Look

München/Frankfurt. Am gestrigen Donnerstag hat die Deutsche Lufthansa ihr neues Auftreten vorgestellt. Mit zwei Maschinen in der neuen Lackierung zeigte die Kranich-Airline von einer neuen, modernen Seite. Wir durften in München dabei sein, als die Boeing 747-8 und die Airbus A321 ihr Rendevouz feierten.

Es ist der 08. Februar 2018, um 8:54 Uhr macht sich der neue Kranich auf dem längsten Passagierflugzeug der Welt, einer Boeing 747-8, in Frankfurt auf große Deutschlandtournee. Der Jet mit der Kennung D-ABYA besuchte auf seinem Flug in neuem Gewand acht deutsche Städte und zeigte sich Fans und Planespottern aus nächster Nähe.

Dabei hat der Jumbo einen straffen Zeitplan: Unter dem Flug LH9988 vollführte die Boeing neben kurzen Zwischenstopps auch so genannte „Low passes“, das sind sehr tiefe Überflüge ohne Bodenkontakt.

Von Frankfurt ging es über Köln, Düsseldorf, Bremen, Hamburg, Hannover, Berlin und Dresden nach München. Am Franz-Josef-Strauß Flughafen sollte der Jumbo dann auf das zweite Flugzeug in neuer Lackierung treffen, eine Airbus A321 mit der Kennung D-AISP, ehe es dann weiter über Stuttgart zurück nach Frankfurt ging.

Während alle gespannt auf die Ankunft des Jumbos warteten plauderte Lufthansas Corporate Designer, Ronald Wild, ein wenig aus dem Nähkästchen: Insgesamt vier Jahre tüftelte das Team um Wild an dem neuen Look, der der Airline ein zeitgemäßeres und strukturierteres Aussehen geben soll.
„Lufthansa ist seit jeher ein Premiumdienstleister und gerade das soll durch den neuen Auftritt in den Vordergrund gerückt werden“, so Ronald Wild.

Zum Design gibt es weiter unten noch ausgiebige Informationen. Jetzt heißt es ersteinmal „Einsteigen, bitte!“, denn der Bus bringt die anwesenden Pressevertreter nahe an die Runway – die 747 ist im Anflug.

Der neue Kranich landet in München

Pünktlich um 15:30 Uhr landet der Jumbo auf der Bahn 26R und parkt ersteinmal abseits auf einem Rollweg. Er muss noch warten – schließlich soll es gleich ein einmaliges Rendevouz geben: Die 747 trifft in München auf die zweite bisher umlackierte Maschine, eine A321; der Airbus wird jedoch gerade noch abgefertigt, er fliegt mit Passagieren an Bord nach Paris.

Nach einem ausgiebigen Stopp für Fotoaufnahmen geht es dann zu einer leeren Parkposition am Terminal 2, von wo aus dann das Aufeinandertreffen der beiden Maschinen beobachtet werden kann. Als die 747 bereits aufs Vorfeld gerollt ist, wird auch der Airbus zurückgeschoben – die beiden Flugzeuge stehen wie geplant um 15:40 genau Nase an Nase. Nach einem weiteren Fotostopp trennen sich aber die Wege der Maschinen.

Für die Planespotter am Besucherhügel hat der Jumbo auch noch Zeit und parkt für die begeisterten Fans, ehe er aufbricht und in den Wolken Richtung Stuttgart verschwindet. Eine Bildstrecke ist unten zu finden.

Bis alle Flugzeuge der Airline umlackiert sind, werden voraussichtlich sieben Jahre vergehen. Bis Ende 2018 wird es rund 40 Flugzeuge im neuen Design geben.

Im Übrigen findet der Rundflug über Deutschland klimaneutral statt, da der CO2-Ausstoß über myclimate kompensiert wird.

Wo ist das Spiegelei?

In den letzten Wochen stand vor allem die Farbe Blau im Rampenlicht: „Was ist die Lufthansa nur ohne das Gelb?“, hörte man immer wieder. Wild betonte, dass Gelb auch weiterhin zur Lufthansa gehört, nur das „Spiegelei“ fällt eben weg. „Das Spiegelei, also der gelbe Kreis auf der Flosse unserer Flugzeuge, war das einzige gelbe Element in der Lackierung.“, erinntert der Designer.

„Wir mussten uns für eine Leitfarbe entscheiden und nach reiflicher Überlegung wurde klar, dass Blau die Leitfarbe sein muss.“, erklärt Wild, „Gelb gehört auch künftig zum Herz der Lufthansa, als Wegweiser zum Beispiel.“.

Zudem ist Gelb auch in der neuen Lackierung weiterhin enthalten: Ein Rechteck neben der ersten Türe am Flugzeug heißt die Passagiere künftig willkommen.

Blau ist nun also die führende Farbe in der neuen Lufthansa. Der daraus entstehende Kontrast zum strahlenden Weiß des Kranichs ist dadurch wesentlich hochwertiger, klar und souverän.
Durch die Erweiterung der Blaufläche des Leitwerks nach unten über die Flugzeugkabine wird das Leitwerk optisch vergrößert und ermöglicht so, dass auch der Kranich wachsen konnte.

Warum erhält die Airline überhaupt ein neues Design?

In diesem Jahr feiert der Kranich seinen einhundertsten Geburtstag. Dies war Anlass zur Überprüfung des Erscheinungsbildes von Lufthansa und ob es auch die Botschaft transportiert für die die Marke einsteht.
Die letzte Modifizierung des Logos fand 1989 statt – seither wurden auch Schriften und Farben nicht mehr verändert. Zum einen zeigt dies, wie zeitlos und hochwertig deren Gestaltung damals war. Andererseits verdeutlicht es, dass es selten einen besseren Zeitpunkt gab als diesen, die Marke Lufthansa in neue Höhen zu führen.

Weitere Gründe für ein neues Auftreten sind Digitalisierung und Vernetzung im Alltag. „Der digitale Wandel verändert Einstellungen und Erwartungen der Kunden“, so schreibt die Airline in einem Flyer zum neuen Look: „Darauf müssen wir nicht nur produktseitig, sondern auch im Design reagieren. Es ist eine Evolution, keine Revolution.“

Smartphones, Smartwatches und andere Geräte mit kleineren Displays haben die Darstellung des bisherigen Kranichs nicht einfach gemacht, zu wuchtig sei er gewesen. Daher wurde auch am Kranich gefeilt.

Was hat sich am Kranich geändert?

Das Wappentier der Lufthansa ist filigraner geworden, der Raum zwischen den Federn der Schwingen größer. Durch diese kleine Änderung wird der Kranich auch in kleinen Größen und auf digitalen Medien sauberer dargestellt. Außerdem wurde der Schnabel leichter und eleganter gestaltet und der Kreis um den Kranich herum dünner, sodass der Vogel optisch stärker in den Vordergrund rückt.

Was ist mit der Schrift?

Auch an der Schrift wurde gearbeitet: Die neue Lufthansa Corporate Type zeichnet sich demnach durch ein betont horizontales und prägnantes Schriftbild aus und verkörpert die Design-DNA der Airline.

Bildstrecke

 

Nicolas Keckl

Dipl.-Ing. (TUM) Nicolas Keckl ist Gründungsmitglied von neumagg.net. Er arbeitet hauptberuflich als Vermessungsingenieur in einem Freisinger Büro. Sein Studium vertiefte er im Bereich Erdmessung und Satellitengeodäsie.

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