Erneut Motocross-Unfall

Dietfurt/Mallerstetten. Erst am vergangenen Sonntag (wir berichteten) wurde ein Motocross-Fahrer bei einem Unfall lebensbedrohlich verletzt. Am gestrigen Montag, 21.09.2015, musste ein 28-Jähriger nach einem Sturz bei Mallerstetten mit einem Helikopter ins Klinikum geflogen werden.

Gegen 16 Uhr kam es an einem Waldrand bei Mallerstetten zu einem erneuten Motocross-Unfall. Ein 28-Jähriger stürzte mit seinem Krad und zog sich dabei so schwere Verletzungen zu,  dass er mit einem Rettungshubschrauber in ein Klinikum verbracht werden musste.
Glücklicherweise besteht bei dem Verunfallten keine Lebensgefahr; jedoch erwartet ihn u.a. eine Strafanzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Stellungnahme der PI Parsberg

Wir haben bei der PI Parsberg mit dem stellvertretenden Leiter der Dienststelle, Polizeihauptkommissar Ludwig Stegerer, gesprochen.

Warum kommt es gerade jetzt zu einer Häufung von Motocross-Unfällen und gibt es eine Zunahme derartiger Vorfälle im Bereich der Dienststelle?

Ob es einen Zusammenhang mit der Jahreszeit gibt, konnte Herr Stegerer nicht sagen. Auch über einen Trend hat er keine Informationen. Dies hat jedoch einen einfachen und auch erfreulichen Grund: Die beiden Vorfälle von gestern und vorgestern sind in den letzten vier Jahren die einzigen beiden gewesen.

Hatten die beiden verunfallten Fahrer viel Fahrpraxis?

Nachdem beide Unfallopfer weder eine Zulassung für ihre Maschinen, noch eine Fahrerlaubnis besitzen ist, sofern man permanentes „Schwarzfahren“ ausschließt, davon auszugehen, dass beide Fahrer wenig bis keine Fahrerfahrung mit Motocross-Maschinen besitzen.

Ist die Ursache eher bei den Fahrern oder eher am Fahrzeug zu suchen?

In beiden Fällen gibt es keinerlei Hinweise auf technisches Versagen der Motorräder. Ursächlich sind Fahrfehler, zu schnelles und zu riskantes Fahren hat beide Unfälle verursacht.

Welche Hinweise zu Prävention können Sie geben?

Prinzipiell sollte jeder vorsichtig sein und sich an geltendes Recht und Gesetze halten. Diese beiden Ratschläge sind allgemein gültig.

Neben den gesundheitlichen Folgen, womit müssen die beiden Unfallfahrer rechnen?

Da beide Fahrer ohne Fahrerlaubnis und Zulassung unterwegs waren, werden sie wegen Fahren ohne Fahrleubnis und wegen Zulassungsverstößen zur Anzeige gebracht. Da im Dienstbereich der PI Parsberg noch keine derartigen Fälle bekannt sind, kann kein Bußgeldbetrag oder ähnliche strafrechtliche Einschätzung gegeben werden. Das Strafmaß haben Staatsanwaltschaft und Gerichte festzusetzen.

Sehen Sie einen Zusammenhang zu Internetclips von solchen Fahrten?

„Solche Filme gibt es schon seit Jahren. Es gibt schon lange Leute, die es cool finden bei 250 km/h auf Landstraßen zu filmen. Einen Zusammenhang zu den beiden Unällen der letzten Tage sehe ich persönlich nicht.“, so Ludwig Stegerer.

Stellungnahme der PI Neumarkt

Am späten Nachmittag konnten wir auch den Chef der Polizeiinspektion Neumarkt, Polizeioberrat Helmut Lukas, zu einer kurzen Stellungnahme zu den beiden Vorfällen erreichen.

Auch wenn man bei zwei Fällen noch nicht von einer Häufung reden kann, könnten Dreck im Profil der Räder und ein Schmierfilm auf feuchten Straßen ein erhöhtes Unfallrisiko bergen. Einen konkreten Zusammenhang mit der Jahreszeit sieht aber auch Helmut Lukas nicht.
Eine Zunahme oder einen Trend erkennt Lukas nicht, zumal nur ein Bruchteil der Unfälle bei der Polizei gemeldet werden, da viele auf Privatgrund passieren würden und es oftmals keine schwereren Verletzungen gebe.
Die Ursache für die beiden Unfälle der letzten Tage sieht auch Polizeioberrat Lukas eindeutig bei den Fahrern und nicht im Equipment: „Die Fahrer überschätzen ihre Fähigkeiten gern. Sie denken mit der Motocross wäre alles möglich und fahren riskante Manöver, die sie dann mangels Fahrpraxis nicht mehr kontrollieren können.“. Auf die Frage nach Vorschlägen zur Vermeidung solch schwerer Unfälle rät Lukas zum einen zu überlegtem Fahren und zum anderen verweist er auf Übungsplätze, „die wir auch hier bei uns im Landkreis“ hätten: So gibt es beispielsweise bei Pollanten eine Motocross-Strecke auf der die eigenen Grenzen und die des Fahrzeugs unter kontrollierten, konstanten Bedingungen erprobt werden können.
Zu den Folgen sagte Lukas nur, dass es ganz auf die Sachlage ankommt. Beispielsweise könnte das Landratsamt wegen Vergehen gegen die Natur tätig werden, wenn durch Maisfelder gefahren wird. Bei Fahren ohne Zulassung, Versicherung und Steuer kommen die einschlägigen Verfahren wegen Zulassungsverstößen und Steuerbetrugs ins Spiel. Maßregeln wegen mangelnder Fahrerlaubnis und Personenschäden würden von Staatsanwaltschaft und Gerichten verfolgt.

Nicolas Keckl

Dipl.-Ing. (TUM) Nicolas Keckl ist Gründungsmitglied von neumagg.net. Er arbeitet hauptberuflich als Vermessungsingenieur in einem Freisinger Büro. Sein Studium vertiefte er im Bereich Erdmessung und Satellitengeodäsie.