Vor 50 Jahren beim Volksfest: Volksabstimmung zu den Maßkrügen

Neumarkt. Ein berühmter bayerischer Kabarettist ist vor einiger Zeit den Vorzügen und Nachteilen von Steinkrügen beim Biergenuss auf den Grund gegangen. In der Geschichte des Neumarkter Volksfestes gab es hierzu sogar eine Volksabstimmung.

Die Frage, ob steinerne oder gläserne Maßkrüge beim Juravolksfest verwendet werden sollen, hat früher die Gemüter erhitzt. Vor 50 Jahren kam es dann zu einer sogenannten „Biertrinker-Volksabstimmung“.
Vorangegangen waren Jahre, in denen sich Streitgespräche immer wieder an der Frage „steinern oder gläsern“ entzündet hatten. Kurz vor dem Volksfest 1965 war diese Frage auch Thema im Stadtrat wie in Unterlagen des Stadtarchivs nachzulesen ist.
Brauereibesitzer und Stadtrat Josef Gloßner, der Lieferant des Volksfestbieres 1964, hatte in dem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass von den seinerzeit 3.663 steinernen Maßkrügen 870 zu Bruch gegangen oder am Ende der Festtage einfach nicht mehr vorhanden waren. Bei vorhergegangenen Volksfesten sei oft mit einem Verlust von bis zu 1.500 Stück solcher Krüge zu rechnen gewesen. Er hatte daher in einem Schreiben an den vorjährigen (1964) und diesjährigen (1965) Festwirt Max Wunder darauf hingewiesen, dass der Volksfestreferent Stadtrat Fritz Schmid angeregt hat, als Ersatz gläserne Maßkrüge zu kaufen. Gloßner, wie zahlreiche andere Stadträte auch, vertrat aber den Standpunkt, dass das Bier in gläsernen Maßkrügen bei heißer Witterung im Sommer viel schneller warm wird als in steinernen Maßkrügen.
Die Gegenseite plädierte dagegen für gläserne Maßkrüge. Deren Auffassung war, dass auf diese Weise die Krüge besser gefüllt sein würden und gläserne Krüge hygienischer wären als steinerne.

Um Klarheit in dieser Frage zu schaffen, wurde beim Volksfest 1965 eine Abstimmung in der Jurahalle auf dem Festplatz angesetzt. Die Bürger sollten gefragt werden: „Wollt Ihr steinerne oder gläserne Maßkrüge?“. Per Zettelabstimmung wollte man herausfinden, wohin die Mehrheit tendiert. Zudem, so hieß es, wäre es für die Besucher sicherlich eine „anziehende, lustige Einlage zum Volksfest“. Klar war aber auch, dass sich die Stadt, der Festwirt und der Festbräu der Mehrheitsentscheidung anschließen sollten.
Am Volksfestmittwoch, 11. August 1965 ab 20 Uhr, ging die Abstimmung schließlich über die Bühne. Die Stimmzettel wurden dabei von den Bedienungen an diejenigen Besucher verteilt, die sich eine Maß Bier bestellt hatten. Am Donnerstag, 12. August 1965, gab Volksfestreferent Stadtrat Schmid dann das Ergebnis bekannt, 1.261 Stimmen waren insgesamt abgegeben worden. Auf die gläsernen Maßkrüge entfielen dabei 953 Stimmen, auf die steinernen 289 Stimmen. 19 Stimmen waren ungültig.
Drei Viertel aller Umfrageteilnehmer votierten damit für die gläsernen Maßkrüge.

Wie im Neumarkter Tagblatt von damals nachzulesen ist, gab es unter den Wählern auch einige Witzbolde. Sie versahen die Abstimmzettel mit eigenen Anmerkungen wie „Statt Maßen – Eimer“ oder Sprüchen in Gedichtform wie „Ob Glas ob Stein, der Krug muss voll sein“. Ein Wähler schrieb sogar ein ganzes Gedicht.
1965 allerdings wurde das Festbier zunächst noch in steinernen Maßkrügen ausgeschenkt. Erst im Laufe der Jahre wurden diese durch gläserne ersetzt.

Der Preis für die Maß Bier lag 1965 übrigens bei 1,80 DM, und schon damals war Neumarkt am unteren Ende der Skala bei den Bierpreisen, die bei anderen Festen damals zum Teil schon bei 2 DM und mehr lagen. Zum Vergleich: Der Brotpreis befand sich 1965 bei etwa 1,10 DM, ein einfacher Kühlschrank kostete rund 350 DM und ein Fernsehgerät zwischen 1.400 und 1.700 DM. Die Wochenarbeitszeit betrug im Durchschnitt 45 Stunden, der durchschnittliche Stundenlohn im produzierenden Gewerbe bewegte sich um 4,25 DM.

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Nicolas Keckl

Dipl.-Ing. (TUM) Nicolas Keckl ist Gründungsmitglied von neumagg.net. Er arbeitet hauptberuflich als Vermessungsingenieur in einem Freisinger Büro. Sein Studium vertiefte er im Bereich Erdmessung und Satellitengeodäsie.