Innovative Segmentbrücke offiziell in Betrieb genommen

Sengenthal/Greißelbach. Seit Ende April ist die neue Brücke über die B299 und den Ludwig-Donau-Main-Kanal bei Greißelbach für den Verkehr freigegeben, heute Nachmittag wurde sie offiziell in Betrieb genommen. Innenminister Joachim Herrmann überzeugte sich selbst von der innovativen Segmentbrücke.

Großräumlich betrachtet ist die Bundesstraße 299 eine wichtige Nord-Süd-Achse in Bayern. Sie verbindet die Industriezentren Ostbayerns und stellt so für die wirtschaftsintensiven Gebiete um Neumarkt und Neustadt an der Donau eine wichtige Verkehrsader dar.
Diese Rolle ist auch Grund für die kontinuierlichen Ausbauarbeiten an der B299 – wie in den letzten Jahren mit der Umgehung Sengenthals und künftig mit der Ortsumgehung Mühlhausen.
Im Landkreis Neumarkt ist die Staatsstraße 2220, die bei Greißelbach die B299 bislang höhengleich in einer gefährlichen Kreuzung überquerte, eine ebenfalls wichtige und stark genutzte Verbindung von Velburg im Osten und Freystadt im Westen des Landkreis.

Umbau entschärft unfallträchtige Kreuzung

Mit dem neuerlichen Umbau der Kreuzungssituation von B299 und St 2220 wurde die gefährliche Kreuzung in einen Knotenpunkt mit Kreisverkehr umgestaltet, der die beiden Verkehrsstrecken übereinander kreuzen lässt. Dies erhöht die Verkehrssicherheit enorm. So erfolgt die Anbindung der St 2220 an die B299 im Süden über eine so genannte Schleifenrampe und im Norden über eine direkte Rampe. Ein Kreisverkehr auf der südwestlichen Seite des Umbaubereichs schafft zusätzliche Kapazitäten auf der Anschlussstrecke.
Im Rahmen der Maßnahme wurde zudem die Strecke zwischen Greißelbach und Dietlhof ausgebaut, inklusive Radweg.
Entlang der B299 wurde die Fahrbahn auf rund 600 Metern Länge erneuert und im Kreuzungsbereich mit Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen ausgestattet.

Ein angenehmer Nebeneffekt der neuen Verkehrsführung ist auch, dass der in der Vergangenheit unterbrochene Ludwig-Donau-Main-Kanal nun wiederhergestellt werden konnte – ebenfalls durch eine Überführung der St 2220 auf eine Brücke.

Brücke ist Pilotbauwerk

Das neue Brückenbauwerk ist mehr als nur ein Kreuzungsbauwerk, die Brücke ist in ihrer Bauweise gewissermaßen eine Pionierleistung. Die Firmengruppe Max Bögl erarbeitete zusammen mit dem Ingenieurbüro SSF Ingenieureein neuartiges Bauprinzip für die Fahrbahn auf der Brücke: Große Besonderheit dieser Bauweise sind die längs- und quervorgespannten Betonfertigteilplatten aus selbstverdichtendem Beton. Der Clou: Die Teile können im Werk schon einbau- und fahrbereit vorgefertigt werden. So müssen sie auf der Baustelle nur noch an ihren Einsatzort gehoben werden, weitere Schritte sind auf der Baustelle nicht nötig.

Wesentliches Merkmal ist die Trennung von Fahrbahnplatte und Tragsystem. Die Fahrbahnplatten werden auf die beiden Träger aufgelegt und anschließend zusammengespannt. Der Überbau erfordert keine weiteren Straßenbeläge oder Abdichtungen.

Durch diese Bauweise ergeben sich Vorteile, die Zeit und Kosten sparen. So kann die eigentliche Brücke komplett im Werk vorgefertigt werden – Bauzeiten werden verkürzt. Da die Segmente unabhängig von der Trägereinheit sind, kann der Überbau künftig schnell und einfach durchgeführt werden – ebenso geht die Fahrbahnerneuerung durch einfachen Tausch der Segmente schneller voran. Dadurch kann der Einbau zudem unabhängig von der Witterung erfolgen.
Lediglich die Herstellung der Widerlager und die monolithische Verbindung der beiden Träger zu biegesteifen Rahmenecken muss unter Baustellenbedingungen erfolgen.
Ein weiterer Vorteil der Betonfahrbahn: Es entstehen keine Spurrinnen. Durch die Vorfertigung müssen auch die Brückenkappen nicht mehr ausgetauscht werden, da diese fest in die Fahrbahn integriert sind.

Das Brückenbauwerk trägt mit 1,3 Millionen Euro zu den Gesamtkosten von rund 4,8 Millionen Euro bei. Neben der Entwicklung dieser innovativen Bauweise hat sich die Firmengruppe Max Bögl wesentlich an den Baukosten beteiligt. Die Kosten beinhalten dabei auch den Ausbau der St 2220 über eine Länge von rund einem Kilometer.

Während der Bauphase waren wegen konstruktiver Detaillösungen mehrere Zustimmungen im Einzelfall nötig. Die bauliche Realisierung wurde wissenschaftlich von Prof. Fischer begleitet; so konnten Voruntersuchungen bestätigt und weitergehende Kenntnisse mit der Bauweise gewonnen werden.

Weitere Fakten zur Maßnahme

Neben dem Kernelement der Brücke wurde ein Kreisverkehr auf der südwestlichen Seite angelegt, sein Durchmesser beträgt 40 Meter und ermöglicht auch größeren Lastwägen den nötigen Spielraum zum Durchfahren des Kreisels. Die Bauzeit betrug alles in allem etwas mehr als ein Jahr.

Großes Lob für innovative Bauweise

Hohe politische Gäste würdigten die Arbeiten am Brückenbauwerk und an der Lösung der Kreuzungssituation.

Dorothee Bär, parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, ist von der Steigerung der Verkehrssicherheit ebenso überzeugt wie von der Zukunftstauglichkeit der innovativen Brückenbauweise.

Der bayerische Staatsminister des Innern, Joachim Herrmann, stellte fest, dass „jede Innovation ein erstes Mal darstellt“ und „ausprobiert werden“ müsse. So ist es in Greißelbach geschehen: Der Bedarf einer Lösung war gegeben und Bögl hatte eine neue Idee im Kopf.
Zudem machte Herrmann darauf aufmerksam, dass Bayern die „steigenden Mittel des Bundes für Straßenbau“ gut brauchen und investieren wird.
Auch im Hinblick auf die Ortsumgehung Mühlhausens sagte Herrmann, dass „Ortsumgehungen nicht dazu gebaut werden um Land zuzubetonieren, sondern die Sicherheit und den Lärmschutz für die Bürger der Orte“ verbessern sollen.

Von der neuartigen Bauweise waren auch MdL Albert Füracker, Landrat Willibald Gailler, die Bürgermeister Sengenthals, Werner Brandenburger, und Mühlhausens, Dr. Martin Hundsdorfer, MdB Alois Karl und Mitarbeiter des staatlichen Bauamts und der beteiligten Firmen begeistert.

Bögl wünscht sich mehr Offenheit für Innovationen

Johann Bögl jr. wünscht sich bei allem Erfolg dieses Projekts von den öffentlichen Auftraggebern für die Zukunft eine ähnlich hohe Bereitschaft zur Innovation. „Oft werden Alternativen und neue Vorschläge kategorisch ausgeschlossen“, so Bögl. Deutschland und Bayern könnten nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn neue Ideen entsprechend fruchtbaren Boden zur Entfaltung vorfinden.

In einer gemeinsamen Besichtigung des Brückenbauwerks stand Bögl allen Anwesenden noch Rede und Antwort zu Fragen rund um das Kreuzungsbauwerk.

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Nicolas Keckl

Dipl.-Ing. (TUM) Nicolas Keckl ist Gründungsmitglied von neumagg.net. Er arbeitet hauptberuflich als Vermessungsingenieur in einem Freisinger Büro. Sein Studium vertiefte er im Bereich Erdmessung und Satellitengeodäsie.