Flüchtlingsklasse macht Schule

Neumarkt. Seit Anfang März läuft bei der Berufsschule Neumarkt ein spezielles Bildungsangebot für junge Asylbewerber. Ihnen soll so die Integration und der Berufseinstieg erleichtert werden.

An verschiedenen Berufsschulen in ganz Bayern wurde bereits in den vergangenen Schuljahren ein zweijähriges Modell angeboten, in dem berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge in ihrem Spracherwerb gefördert und zugleich auch auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden. In dieser Zeit sind 190 neue Berufsschulklassen entstanden. Ihre Abkürzung: BIJ/V-H, dahinter verbergen sich die Wörter Berufsintegrationsjahr, Vorklasse und Halbjahr.

Die große Zahl an unbegleiteten Minderjährigen, die in den vergangenen Monaten nach Bayern kamen, hat eine rasche Reaktion des Kultusministeriums noch vor Beginn des kommenden Schuljahres notwendig gemacht. Daher werden zusätzlich 70 Halbjahresklassen vorrangig für unbegleitete Minderjährige an den staatlichen Berufsschulen eingerichtet. Eine davon an der Staatlichen Berufsschule Neumarkt.

Der Unterricht läuft seit 02.03.2014 und geht noch bis zum 31.07.2015. An ihm nehmen 12 berufsschulpflichtige junge Männer im Alter von 16 bis 18 Jahren teil. 10 von ihnen sind unbegleitete Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern und zwei Jugendliche kommen aus Syrien. Die zehn unbegleiteten Flüchtlinge haben im Haus St. Marien eine Unterkunft gefunden und werden dort von Mitarbeiter/innen des Kinderheims Parsberg (Seraphisches Liebeswerk) betreut.

23 des 25 stündigen Vollzeitunterrichts werden vom Personal der bfz-Regensburg gGmbH erteilt, die restlichen zwei Stunden werden von Lehrkräften der Berufsschule Neumarkt gehalten. Zusätzlich zu den Pflichtstunden werden von der Berufsschule noch 10 freiwillige Unterrichtsstunden in der BAF Klasse erteilt. Die Deutschkenntnisse der Schüler sind sehr verschieden, eine Differenzierung ist deshalb unbedingt nötig, was eine besondere Herausforderung für die Lehrkräfte darstellt. Laut Christine Bucher, Klassenleiterin der Halbjahresklasse, können alle Schüler der derzeitigen Klasse schreiben, es ist aber auch möglich, dass bei zukünftigen Klassen die Alphabetisierung in den Vordergrund rückt.

Für die Halbjahresklasse stehen im Berufsschulzentrum Neumarkt zwei Klassenräume zur Verfügung. Die Schwerpunkte des Unterrichts liegen vor allem in der sprachlichen Förderung aber auch in der Allgemeinbildung, insbesondere Mathematik und Sozialkunde. Christine Bucher lobt die „recht gute“ Disziplin ihrer Schüler.

Das Kultusministerium stellt an die Lehrkräfte der BIJ/V-H Klasse hohe Anforderungen, so fordert es für diese Halbjahresklassen Personal mit speziellen DAZ/DAF-Kenntnissen (Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache). Die Berufsschule hat aus diesem Grund eine Lehrkraft mit diesem Zusatzstudium zugeteilt bekommen und auch die Lehrkräfte des bfz Regensburg gGmbH verfügen über dieses Studium bzw. diese Kenntnisse. Sozialpädagogisch werden die Jugendlichen in erster Linie durch eine Sozialpädagogin der bfz-Regensburg gGmbH aber auch durch die Sozialpädagogin der Berufsschule betreut.

Laut Schulleiter Albert Hierl funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Berufsschule, bfz und Heimleitung sehr gut. Im weiteren Verlauf des Projektes sind Patenschaften mit Schülern der Berufsgrundschuljahre Schreiner und Zimmerer angedacht. Im Anschluss an diese halbjährliche Klasse sind als weitere Maßnahmen ein- bzw. zweijährige Berufsintegrationsjahr(e) geplant. Schwerpunkte hierbei wären im ersten Jahr weiter die Sprachförderung und im zweiten die Berufsvorbereitung mit Praktika.

Der Landkreis Neumarkt als Schulträger und die Kooperationspartner werden mit einer Förderung von bis zu 28.000 € vom Freistaat Bayern unterstützt. Gemeinsam will man so den jungen Asylbewerbern und Flüchtlingen einen gelungenen Übergang in eine Ausbildung ermöglichen, die wiederum das Fundament für ein aktives und selbstbestimmtes Leben bildet.

Nicolas Keckl

Dipl.-Ing. (TUM) Nicolas Keckl ist Gründungsmitglied von neumagg.net. Er arbeitet hauptberuflich als Vermessungsingenieur in einem Freisinger Büro. Sein Studium vertiefte er im Bereich Erdmessung und Satellitengeodäsie.

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