Sonnenfinsternis in Neumarkt

Neumarkt. Ein seltenes Naturspektakel zog am Freitagvormittag rund 300 Schaulustige nach Höhenberg. Genauer zur dortigen Fritz-Weithas-Sternwarte. Zu sehen gab es eine Sonnenfinsternis bei perfektem Beobachtungswetter. Auch die Stromversorger gaben Entwarnung: Keine Stromausfälle aufgrund der erwarteten Spannungsschwankungen im Netz.

Bereits um 9 Uhr öffnete die Sternwarte heute ihre Pforten. Sonst ist hier eher abends Betrieb, wenn die Sonne bereits untergegangen ist. Doch am heutigen Freitag musste die Sonne zunächst aufgehen, bevor es was zu sehen gab. Ab 09:32 Uhr wanderte der Mond immer weiter über die Sonne, bis schließlich um 10:41 Uhr das Maximum mit einer Überdeckung von ca. 70,160% erreicht war. Letztlich verschwand der Mond um 11:52 Uhr wieder aus der Sonnenscheibe. Mit mehreren Dutzend Kilometern pro Minute wandert der Mondschatten bei der Sonnenfinsternis über die Erdoberfläche.

Phasen der Sonnenfinsternis in Neumarkt. Grafik: clasky.de.

Phasen der Sonnenfinsternis in Neumarkt. Grafik: clasky.de.

Während sich der Mond immer weiter in die Sonne bewegte, wurde es langsam dunkler und kühler am Dach der Sternwarte. Viele Leute haben keine Schutzbrille mehr ergattern können. Doch für diesen Fall waren die Astronomen in Neumarkt gut gerüstet: Zehn Schutzbrillen konnten gratis geliehen werden und wechselten die Besitzer so, dass jeder einen Blick auf die Finsternis erhaschen konnte. Jedoch gab es auch die, die es mit dem Schutz nicht so genau nahmen und mit Röntgenbildern, CDs oder gar ohne Schutz in die Sonne blickten. „Ein absolutes Tabu“, erklärt Andreas Leonhardt von der Volkssternwarte. Er gab Tipps, wie auch mit dem Smartphone oder der Digicam jeder ein Foto vom Himmelsschauspiel schießen könne: Einfach die Schutzbrille vor das Objektiv halten und dann die Sonne suchen und abdrücken.

Der Mond bewegt sich schon wieder aus der Sonnenscheibe heraus. Foto: Nicolas Keckl.

Der Mond bewegt sich schon wieder aus der Sonnenscheibe heraus. Foto: Nicolas Keckl.

Mit mehreren Teleskopen und Kamerasystemen rückten die Astronomen heute Morgen der Eklipse zu Leibe und hielten den Augenblick fest. Dabei durften auch die anwesenden Zuschauer natürlich gerne durch’s Rohr gucken. In einem Teleskop konnte man sogar die Krater des Mondes in dessen Silhouette erkennen.
Mit einer Lochkamera im Selbstbau war eine für die Augen gefahrlose Beobachtung der Finsternis ebenso möglich.

Heute Abend gibt es auf der Sternwarte noch einen spannenden Vortrag über Sonnenfinsternisse zu hören, los geht’s um 20 Uhr. Die letzte von Neumarkt sichtbare Sonnenfinsternis fand übrigens am 04. Januar 2011 statt. Damals waren rund 50% der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt.

Den Höhepunkt dieser (totalen) Sonnenfinsternis konnten die Bewohner auf der Färöer Inseln genießen, bzw. hätten dies tun können, wäre der Himmel nicht wolkenverhangen gewesen. Andreas Leonhardt sagte, dass aus Neumarkt wohl niemand zu den Färöern gereist sei. Ein großer Trupp von der Fritz-Weithas-Sternwarte würde jedoch in zwei Jahren zur totalen Sonnenfinsternis nach Amerika reisen. In Deutschland wird es erst im Jahr 2081 die nächste totale Sonnenfinsternis geben.

Morgen ist der 13. bundesweite Astronomietag. Da samstags leider die wenigsten Leute abends noch zur Sternwarte wollen, hat diese morgen geschlossen. Dafür gab es heute die lange Beobachtungszeit am Morgen und den Vortrags- und Beobachtungsabend ab 20 Uhr. Für die Kleinen sei noch auf den Kinderabend verwiesen, der am 27.03.2015 stattfindet. Thema wird dort „Die Jahreszeiten“ sein.

Bildstrecke

Schickt uns eure Bilder von der Sonnenfinsternis – wir machen ein nettes Album daraus – an redaktion@neumagg.net! Wir freuen uns auf eure Zusendungen!

Infografik: Sonnenfinsternis

Infografik zum Thema Sonnenfinsternis.

Infografik zum Thema Sonnenfinsternis.

Nicolas Keckl

Dipl.-Ing. (TUM) Nicolas Keckl ist Gründungsmitglied von neumagg.net. Er arbeitet hauptberuflich als Vermessungsingenieur in einem Freisinger Büro. Sein Studium vertiefte er im Bereich Erdmessung und Satellitengeodäsie.

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