Europa landet auf Kometen

Darmstadt. Den Ingenieuren und Wissenschaftlern der Europäischen Weltraum Organisation ESA ist gelungen, was noch keinem gelang: Heute Nachmittag um 17:02 Uhr landete „Philae“, ein Landefahrzeug der Raumsonde Rosetta auf dem Kometen #67P/Churyumov-Gerasimenko! Hier ist das Wort „Heureka“ mehr als angebracht. (Foto: ESA – J. Mai)

Am 02. März 2004 wurde Rosetta bereits gestartet. Alles begann mit dem Start einer Ariane 5G+ Trägerrakete, die die drei Tonnen schwere Sonde zunächst in eine erdnahe Umlaufbahn um die Sonne brachte. Von dort aus wurde dann das erste einer Reihe von sog. „swing-by“-Manövern gestartet. Bei dieser Art von Manöver erfährt die Sonde durch einen engen Vorbeiflug an einem Planeten eine Geschwindigkeits- und Richtungsänderung. Somit kann Treibstoff eingespart werden, da die Beschleunigung der Sonde aus Energie und Impuls des Planeten gewonnen wird. Genug der physikalischen Hintergründe.

Die Sonde erreichte auf ihrer langen Reise auch Regionen im Sonnensystem, in denen nicht genügend Sonnenenergie auf die Solarpanele trifft. Daher wurde die Sonde für 31 Monate in eine Art Winterschlaf versetzt, ehe sie im Frühjahr 2014 aufgeweckt worden ist.

Aus Bildern, die Rosetta vom Kometen aufgenommen hat, konnte dieses 3D-Modell berechnet werden. Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Aus Bildern, die Rosetta vom Kometen aufgenommen hat, konnte dieses 3D-Modell berechnet werden. Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Ab jetzt beginnt die Annäherung an den Kometen. Die Sonde überholte den Kometen zunächst und wurde dann vor ihm gestoppt. Während der Zeit von August bis Ende Oktober zeichnete die Sonde u.a. eine Karte der Oberfläche des Kometen auf und bestimmte wichtige Daten wie Masse und Schwerpunkt des Kometen.

67P/CG, wie ihn die Kamera am Landefahrzeug "Philae" aufgenommen hat. Zu diesem Zeitpunkt war die Sonde nur noch 3 Kilometer von der Kometenoberfläche entfernt. Foto: ESA/Rosetta/Philae/ROLIS/DLR

67P/CG, wie ihn die Kamera am Landefahrzeug „Philae“ aufgenommen hat. Zu diesem Zeitpunkt war die Sonde nur noch 3 Kilometer von der Kometenoberfläche entfernt. Foto: ESA/Rosetta/Philae/ROLIS/DLR

Schließlich erfolgte die finale Landephase: Das Landefahrzeug „Philae“ trennte sich gegen 10 Uhr am 12.11.14 von der Sonde ab. Dabei kam es zu einem ungewollten Spin, dessen Wirkungen zunächst unbekannt waren. Es wurde befürchtet, der Lander könnte verkehrtherum auf der Oberfläche des Kometen landen. Um 17:02 Uhr herrschte im Europäischen Raumfahrt Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt Erleichterung und Freude: Philae landete korrekt und funkte Lebenszeichen zur Erde.

An diesem Mittwoch, 12.11.2014, schreibt Europa Geschichte: Noch nie zuvor ist auf einem Kometen gelandet worden. Gratulation an das Rosetta-Team!

Ende 2015 ist die Mission vorbei, nachdem im August noch das Perihel (= sonnennächster Punkt) des Kometen verfolgt werden dürfte. Zehn Jahre Flug für etwas mehr als ein Jahr (nominelle) Missionsdauer auf dem Kometen.

Probleme mit den Harpunen

Nach der Landung sollte sich der Lander mit Harpunen im Kometen verankern. Scheinbar gibt es bei diesem Vorgang momentan noch Probleme. Die Funkverbindung zu „Philae“ schwankt, was dafür sprechen könnte, dass der Rover schräg auf der Oberfläche stehen könnte. Die Videobilder aus dem Kontrollraum zeigen eifrig arbeitende und nachdenkende Wissenschaftler, die nun eifrig an einer Lösung arbeiten.

Wegen der geringen Anziehungskraft des Kometen sollte eine Steuerdüse den Rover auf den Kometen drücken, sobald eines der drei Landebeine Bodenkontakt hat; sobald die Sonde dann sicher steht, sollten sich die Harpunen im Kometen verankern. Aufgrund eines Problems mit eben dieser Steuerdüse wurde das Landemanöver im Ablauf geändert.

Bildstrecke

Alle Bilder © ESA

Videobeitrag

Nicolas Keckl

Dipl.-Ing. (TUM) Nicolas Keckl ist Gründungsmitglied von neumagg.net. Er arbeitet hauptberuflich als Vermessungsingenieur in einem Freisinger Büro. Sein Studium vertiefte er im Bereich Erdmessung und Satellitengeodäsie.

Das könnte Dich auch interessieren …