Ist gute Jugendarbeit finanziell noch tragbar?

Der Schriftführer des BSC Woffenbach, Jürgen Herbolzheimer, hat sich in einem Schreiben an uns gewendet, das uns zum Nachdenken anregt. Die Zeitungen sind, gerade während der WM, voll von Top-Fußballern. Doch woher kommen diese eigentlich, wie wurden sie zu dem, was sie heute sind? Die meisten haben im „Dorfverein“ angefangen. Genau um diese geht es Herbolzheimer in seinem Brief: Die Jugendarbeit der Vereine.

Jugendarbeit ist das Fundament - nicht nur beim Fußball. Foto: Nicolas Keckl

Jugendarbeit ist das Fundament – nicht nur beim Fußball. Foto: Nicolas Keckl

Für viele Vereine, wie den BSC Woffenbach, stellt sich immer häufiger die Frage, ob die derzeit betriebene Fußball-Nachwuchsarbeit finanziell überhaupt noch tragbar ist.

Immer weniger Sponsoren lassen sich gewinnen und Geldzuwendungen werden rar. Hat die Jugendarbeit einen hohen Stellenwert, so wie beim BSC, müssen dort auch lizenzierte Trainer verpflichtet werden. Aufgrund steigender Trainerkosten bleibt einem Verein nichts anderes übrig, als kontinuierlich zusätzlichen finanziellen Aufwand in Kauf zu nehmen.

Finanziell niederschmetternd für den BSC ist jedoch die Tatsache, dass von größeren Vereinen keine Ausbildungsentschädigungen für jahrelang ausgebildete Jugendspieler bezahlt werden müssen, wenn diese wechselnden Spieler zu Vertragsamateuren gemacht werden. Mit der Ausbildungsentschädigung wurde bis zu einem Urteil des LG Oldenburg im Jahr 2005 verhindert, dass gut ausgebildete Talente von höherklassig spielenden Vereinen zum Nulltarif abgeworben werden können.

Glücklicherweise gibt es im Neumarkter Landkreis jedoch nur zwei größere Vereine, die regelmäßig Vertragsspieler verpflichten. Als Vertragsspieler, auch Vertragsamateure genannt, bezeichnet man jene, welche mit dem Verein einen schriftlichen Arbeitsvertrag abschließen und mindestens 250 Euro im Monat erhalten. Erhält ein Spieler den Status eines Vertragsspielers, muss der neue Verein dem abgebenden Verein seit dem eben genannten Urteil keine Ausbildungsentschädigung mehr bezahlen (Berufsfreiheit!).

Um das Ganze mit Zahlen zu hinterlegen, soll folgendes Beispiel dargestellt werden. In der aktuellen Wechselperiode haben sich Jonas Grunner und Matthias König vom BSC Woffenbach entschieden zum höherklassigen Verein ASV Neumarkt zu wechseln. Für diese beiden Transfers wäre dem BSC Woffenbach eine Ausbildungsentschädigung in Höhe von insgesamt 3750 Euro zugestanden. Da beide zu Vertragsspielern gemacht wurden, ging der BSC leer aus. Das gleiche geschah bereits in der letzten Saison. Hier wechselten ebenfalls zwei Woffenbacher Talente als Vertragsspieler zum ASV Neumarkt, wodurch dem BSC damals schon 7500 Euro entgingen. Letztendlich hätte der BSC für seine Mühen in der Jugendarbeit allein an diesen vier Spielern mit 11250 Euro entlohnt werden und unter Umständen die ehemaligen Vereine dieser Spieler beteiligen können. Dieser Betrag entspricht in etwa den Ausgaben für die qualifizierten Jugendtrainer beim BSC.

Mit diesem dargestellten Problem steht der BSC Woffenbach aber nicht alleine dar. Dieses Problem haben alle Vereine, welche viel Geld und Mühe in eine notwendige und wichtige Jugendarbeit stecken, dann finanziell oftmals jedoch leer ausgehen.

Somit stellt sich die Frage: Ist die Jugendarbeit, wie sie beim BSC seit vielen Jahren sehr kostspielig und zeitintensiv betrieben wird, noch bezahlbar und auch sinnvoll, wenn sich höherklassige Vereine stets unentgeltlich daran bedienen können?

Nicolas Keckl

Dipl.-Ing. (TUM) Nicolas Keckl ist Gründungsmitglied von neumagg.net. Er arbeitet hauptberuflich als Vermessungsingenieur in einem Freisinger Büro. Sein Studium vertiefte er im Bereich Erdmessung und Satellitengeodäsie.

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